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Video: Kopf-an-Kopf-Rennen beim Wahlstammtisch in Hofkirchen


Ein Stammtisch-Abend wie er im Buche steht: Volles Wirtshaus, gute Laune und reichlich Spannung. Wer wird nach 18 Jahren Willi Wagenpfeil Bürgermeister in Hofkirchen? Josef Kufner (CSU, l.) oder Christian Pauli (SPD, r.). Moderator Helmuth Rücker hatte seinen Spaß. −Foto: Scholz

 

Hofkirchen

Christian Pauli führt 5:1. Zumindest, wenn es um die Anzahl der Frauen auf den Listen geht. „Jetzt haben Sie mich erwischt“, gab Josef Kufner zu. Seine Bilanz: 20 Frauen, ein Treffer. Kufner schaut bedröppelt, dann schaltet er auf Angriff: „Christian, wie hast du das geschafft? Hast du jemand anders hingeschickt?“ Alles lacht. Paulis Oberkörper schnellt nach vorne. So, als könne er seinen Konter kaum erwarten. Dann antwortet er trocken: „Acht Anläufe, fünf Treffer.“ Pauli streicht sich über die Haare, lehnt sich zurück. Kufner hält ihm seine geballte Faust hin – Pauli schlägt ein.

Zack. Es ist nur ein kurzer Moment, ein kurzes Zucken, das im kollektiven Gelächter beinahe untergeht. Aber dieser Faustcheck sagt viel aus über den Wahlstammtisch in Hofkirchen.

Dienstagabend, das Gasthaus Reischer in Hofkirchen ist voll. 250 Bürger wollen sich ein Bild davon machen, wer nach 18 Jahren Willi Wagenpfeil ihr neuer Bürgermeister werden soll. Josef Kufner (CSU) oder Christian Pauli (SPD)? Der Stammtisch beginnt mit einer Hiobsbotschaft. „Herr Pauli, Sie können nicht Bürgermeister werden“, sagt Moderator Helmuth Rücker. Pauli schaut verdutzt. Rücker weiter: „Ich habe heute eine Unterschriftenliste aus Garham bekommen, die gesagt haben, der Pauli darf nicht Bürgermeister werden, weil sonst unser Freibad wieder geschlossen wird.“ Die ersten verhaltenen Lacher im Publikum. Pauli: „Na, das habe ich schon abgesichert, meine Frau übernimmt das.“ Gut vorbereitet, der Mann.

Das ist sein Kontrahent Kufner aber auch. Zum Beispiel beim „Babysparbuch“. Pauli schlägt statt Nuckelflaschen ein Sparbuch für neu geborene Babys vor. Auch der örtlichen Raiffeisenbank käme das zugute. Kufner konterte: „Wir leben im Jahr 2020 und unterhalten uns tatsächlich über ein Sparbuch bei einer Verzinsung von 0,01 Prozent.“ Die Raiba brauche die Hilfe der Gemeinde nicht. Stattdessen schlägt er vor, das Begrüßungsgeld für junge Familien zu erweitern. Das sollen die Familien nicht nur bekommen, wenn sie in ein Neubaugebiet ziehen, sondern auch, wenn sie ein bereits bestehendes Gebäude in der Ortsmitte kaufen. Applaus.

Die Erfahrung, die Pauli Kufner als Marktrat voraus hat, macht der CSU-Kandidat mit Zukunftsideen wett. Beispiel neue Ortsmitte: Die Gemeinde hat die Vilshofener Straße 1 bis 5 gekauft und will laut Pauli ein Wirtshaus und Wohnungen daraus machen. Kufner schlägt hier einen „kleinen Wettbewerb“ vor. „Nicht der größte Investor sollte etwas machen, sondern es geht um das beste Konzept für Hofkirchen und das, was die Bürger wollen.“ Wieder Applaus. Pauli hält mit Fachwissen dagegen. Es gebe bereits drei interessierte Investoren. „Wir lassen uns von denen ein Konzept vorlegen und dann entscheidet der Marktrat, nicht der Investor.“ Spricht Pauli, faltet Kufner meist die Hände, der Blick neutral. Pauli zeigt da mehr Emotionen. Mal schüttelt er den Kopf, mal lacht er leicht spöttisch. So oder so geht es hin und her. Punkt für Kufner, dann wieder Punkt für Pauli. Wie beim Tennis. Nur, dass es in Hofkirchen am Ende keinen Gewinner gibt.

Weiter geht’s. Aufschlag Kufner: Er wünscht sich die ein oder andere Bildungseinrichtung. Return Pauli: „Wenn wir damit anfangen, bleiben die Wohnungen auf der Strecke.“ Er will Hofkirchen mit Tourismus beleben. Geht es um Baugebiete, sind sich die Kandidaten einig, dass es das klassische Einfamilienhaus auch in Zukunft geben soll. Kufner möchte aber auch das ein oder andere neue Wohnkonzept zulassen. Pauli fragt sich da nur, wo er das Ganze hinbauen möchte. Kufner: „Wo die Voraussetzungen gegeben sind.“ Zum Thema Gewerbegebiete meint Pauli: „In Garham sind wir derzeit am Ende, in Hofkirchen können wir noch ausweisen.“ Kufner darauf kurz und knapp: „D‘accord.“

Kufner gegen Pauli – das ist auch ein Duell – ja, man muss es fast so sagen – der Generationen. „Ich weiß ja schon, wie der Ruhestand ist. Viel zu langweilig leider“, sagt Pauli (59). Kufner (38) sieht sein Alter als Vorteil. „Das ist ein Amt, in das man sich auch entsprechend einarbeiten muss.“ Er bewerbe sich längerfristig. Pauli plant mit zwei Perioden.

Moderator Rücker testete ab und zu das Wissen von Josef Kufner, der laut eigener Aussage die Marktratssitzungen punktuell besuche und sich über das Protokoll informiere. Das merkte man ihm an. Bis auf eine Ausnahme. Wie viel für die Straßen ausgegeben werde, wollte Rücker wissen. „300000“, vermutete Kufner. Pauli schüttelte den Kopf und korrigierte: „100000.“ Dieses Budget würde Kufner „eventuell etwas höher ansetzen“.

Zum Schluss fragte Helmuth Rücker die Kandidaten, was sie am 15. März um 18 Uhr tun werden. Christian Pauli meinte: „Ich mache mir wahrscheinlich eine Halbe auf. Lust oder Frust.“ Und falls er gewinnen sollte, werde es eine Party im Reischer geben. Josef Kufner dazu: „Wir halten uns mit der Party noch zurück. Ich möchte erst einmal das Ergebnis abwarten.“

Das wird vermutlich knapp. 46 Stimmen trennten im Jahr 2002 Willi Wagenpfeil und Alois Kapfhammer. Eine kurze Umfrage des Vilshofener Anzeigers nach dem Stammtisch zeigte, dass es ähnlich knapp werden könnte. Nur wenige Bürger wollten sich äußern. Und noch weniger waren sich schon sicher, wen sie wählen. Alles offen also im Bürgermeister-Rennen in Hofkirchen. Wäre ja schlimm, wenn es da nicht hin und her ginge zwischen den Kandidaten. Aber: Wie die Tennisspieler auch geben sich Josef Kufner und Christian Pauli am Ende die Hand – oder besser gesagt die Faust.

 

 

Video Wahlstammtisch Hofkirchen

(Kamera: Seibold)

Quelle: pluspnp.de   — Bastian Mühling
Mehr im Vilshofener Anzeiger vom 13.02.2020 oder unter PNP Plus nach einer kurzen Registrierung



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